Urlaub mit der Magersucht – Tipps für weniger Stress

Urlaub bedeutet in der Regel: Entspannung, Genuss, Spaß, Freude und Lebenslust. Aber wie sieht es aus, wenn die Anorexie mit auf die Reise geht? Für Magersüchtige kann die schönste Zeit des Jahres leicht zu einem stressigen Unterfangen werden. Neue Umgebung, Ausbruch aus dem Alltag und veränderte Essensangebote machen verkomplizieren die Planung. Aber es gibt ein paar Tipps, mit denen der Urlaub doch zu einer entspannten Sache werden kann. Welche das sind, erfährst du weiter unten.

Urlaub mit der Magersucht

Auf in den Urlaub – mit der Magersucht im Gepäck

Urlaub mit der MagersuchtEntspannt in den Urlaub fahren und die Anorexie einfach zuhause lassen. Klingt logisch, ist für Magersüchtige allerdings ein Problem. Gerade in der Urlaubszeit spielt das Essen eine große Rolle. Fern vom gewohnten Alltag tun sich gerne viele Herausforderungen auf. Sie beginnen bei der Reiseplanung, gehen über Anreise bis hin zum Aufenthalt selbst. Die meisten Menschen werden im Urlaub schlemmen und ganz selbstverständlich dem Dolce Vita frönen. Wäre es also nicht schlüssig, als Magersüchtige/r über den eigenen Schatten zu springen und der Anorexie Paroli zu bieten? Auch wenn es sich sehr unangenehm anfühlt, solltest du die Herausforderung annehmen. Etwas Neues probieren um Länder und Menschen kennenzulernen. Ich hab schon unzählige Versuche unternommen. Manche sind jäh gescheitert, bei anderen ging ich gestärkt hervor. Für mich hat sich ein Rezept bewährt. Einfach mal machen und später nachdenken.

Urlaub mit der MagersuchtBesonders schwer fiel es mir meist in Gesellschaft. Ständig fühle ich mich und mein Essverhalten beobachtet. Dies löst innere Anspannung in mir aus. Auch mit guten Freunden ist es nicht einfach. Es fällt mir schwer, wirklich Spaß zu haben. Aufgrund meines Perfektionismus will ich niemanden zur Last fallen und ein “guter” Urlaubsbegleiter sein. Dies benötigt sehr viel Energie, wodurch Aktivitäten schon zum Kraftakt werden können. Allerdings ist die Motivation weniger zu denken größer. Freunde schenken Zuspruch, Ablenkung und einen gefühlt sicheren Rahmen.

Darf ich mir was Gutes tun und Urlaub fahren? Wenn der Selbstwert die Reise zusätzlich beschwert!

Urlaub mit der MagersuchtAnorexie ist stark an Selbstfürsorge wie -liebe geknüpft. Als Betroffener ist es ein täglicher Kampf mit dem eigenen Selbstwert. Die Magersucht ist u.a. eine Form der Selbstbestrafung. “Ich habe nichts Gutes verdient!” lautet ihr Grundtenor. Dieser Mangel an Achtung vor dir selbst muss sich jedoch nicht ausschließlich auf die Nicht-Zuführung von Nahrung beschränken. Da in mir ein jähes Selbstverachtungsgefühl verankert ist, fängt es schon bei Kleinigkeiten an. Der Kaffee im Lokal, die kleine Belohnung im Geschäft, die Erfüllung persönlicher Wünsche. Somit ist es für mich eine schier übermächtige Hürde, mich für einen Urlaub zu entscheiden. Stets schwingen die inneren Fragen, “Habe ich das verdient?” sowie “Darf ich mir das überhaupt erlauben?” mit.

Früher war das Reisen für mich einer meiner Lieblingsbeschäftigungen. Neue Orte erkunden, fremde Menschen treffen, unterwegs sein. Zwar gibt es viele Ausflüge, die ich gerne machen würde, jedoch endet es meist bei der Planung. Weil eben mein Selbstwert nicht vorhanden ist.

Urlaub in Sicht – Kleiner Notfallkoffer gegen die Magersucht

  • Urlaub mit der MagersuchtPlanung
    Es ist Zeit sich für einen Urlaub zu entscheiden. Wohin soll es gehen? Abenteuer oder Relaxen? Selbstversorger? All-Inklusiv? Bergtour oder Strand? Ich finde es sehr wichtig, genau zu überlegen, was für eine Art Urlaub für dich momentan richtig ist. Besonders Perfektionisten neigen dazu, Ziele zu hoch zu stecken. Du musst nicht gleich eine Weltreise antreten oder 1 Monat durch China trampen. Ein paar Tage in anderer Umgebung können schon ausreichend sein. Wenn du Zweifel bei deiner Entscheidung hast, überdenke sie. Schließlich soll der Urlaub Genuss mit sich bringen.
  • Nummer für den “Notfall”
    Denk daran, du bist nicht allein. Sprich mit Freunden oder Familie über deine Pläne. Sollte dir dann im Urlaub doch die Decke auf den Kopf knallen, so kannst du jederzeit deine Lieblingsmenschen kontaktieren.
  • Die Reisebegleitung neben dir
    Erst zu Zweit macht Urlaub richtig Spaß. Sprich deshalb vor der Reise mit deiner Begleitung. Tauscht euch über deine Ängste, Sorgen und “Marotten” aus. Dann kann gar nichts mehr schief gehen. Und he, der/die BF mag dich so, wie du bist!

Tipps für weniger Stress mit der Magersucht im Urlaub

Urlaub mit der MagersuchtDie Magersucht hat beim Thema Urlaub viele Gelegenheiten, um für innere Anspannung zu sorgen. Sie wird leider nicht automatisch zuhause bleiben. Trotzdem gibt es einige Möglichkeiten, trotz Anorexie ein paar angenehme Stunden fern der Heimat zu verbringen.

  • Anreise
    Auf die Plätze, fertig, los! Die erste Hürde liegt bei der Anreise. Längere Wegzeiten, äußere Stressoren und eine fremde Umgebung sind schon eine Herausforderung für sich. Eine gute Vorbereitung ist sehr dienlich. Zur Anreise empfiehlt es sich, dein Safe-Food griffbereit zu haben; für alle Fälle. So kannst du die innere Anspannung zumindest abwschwächen. Und wer weiß, vielleicht funktioniert an der Raststätte eine kleine Abwechslung im Speiseplan.
  • Restaurants
    Auswärts zu essen ist für Magersüchtige eine Challenge. Schließlich gibst du einen Großteil der Kontrolle ab. Wie werden die Gerichte zubereitet, was ist alles drinnen und Entscheidungsschwierigkeiten bei der Wahl aus der Speisekarte sind übliche Sorgen. Für mich ist es am hilfreichsten, wenn ich in Begleitung von lieben Freunden im Restaurant bin. Sie sorgen für Ablenkung und können mir schon mal den benötigten Tritt in den Hintern geben. Versuche deshalb das zu bestellen, worauf du wirklich Lust hast. Auch wenn dies bedeutet, dich deinem Fearfood zu stellen. Als Beilage wählst du am besten etwas, womit du dich arrangieren kannst. Zum Beispiel einen Salat. Auch wenn der Teller für Anspannung sorgt ist es immer besser, zumindest etwas als gar nichts zu essen.
  • Buffets
    Der Vorteil an Buffets ist, dass du dir genau aussuchen kannst, was auf deinem Teller landet. Allerdings kann die große Auswahl für Unruhe sorgen, denn hier ist nicht zu erkennen, wie sich die Gerichte zusammensetzen. Dafür hast du die Möglichkeit, Neues ganz einfach auszuprobieren. Und wenn es nur ein kleines Stückchen ist. Vermeiden solltest du dennoch zu akribisches Zusammenwürfeln von Gerichten. Entscheide dich für eine Option und bleibe bei deiner Wahl.
  • Urlaub mit der MagersuchtStrand & Pool
    Sommer, Sonne, Sonnenschein. Zur warmen Jahreszeit gehören Badehose bzw. Bikini dazu. Als Magersüchtige/r leidet man unter einer gestörten Körperwahrnehmung. Wie wohl du dich in der Öffentlichkeit fühlst, hängt ganz individuell von dir selbst ab. Wenn es dir unangenehm ist, dich leicht bekleidet auf die Liege zu legen, lass es sein. Menschen, die deinen dünnen Körper verurteilen wird es immer geben. Daran kannst du nichts ändern. T-Shirt, Umhängetuch oder Strandkleid (für die Mädls) helfen dir, dein Wohlbefinden zu steigern. Denke immer daran: Stechende Blicke wird es immer geben. Versuche sie zu ignorieren und deine Mitte zu finden.
  • Ausflüge
    Ausflüge im Urlaub sind nichts Ungewöhnliches. Wie schon bei der Anreise solltest du dir zur Sicherheit ein entsprechendes Lunchpaket einpacken und die Tour genau planen. Nichts ist abtörnender als Stress.
  • Veränderte Tagesstruktur und neue Eindrücke
    Urlaub ist eine große Veränderung. Dein Tagesablauf wird sich ändern und du befindest dich in neuer Umgebung. Wenn es dir schon im voraus ein mulmiges Gefühl beschert, versuch Positives daraus zu machen. Probiere dich selbst aus und sei neugierig. Vielleicht nimmst du ja sogar ein paar helfende Ideen mit nach Hause. Das Wichtigste: vertrau dich deiner Begleitung an und freue dich über freundschaftliche Unterstützung.
No Comments Yet

Leave a Reply

Your email address will not be published.