Stille Plätze – Meine laute leise Fotoserie

Wie laut können Orte sein, an denen es scheinbar leise ist? Mit meiner Fotoserie “Stille Plätze” habe ich mich dieser Frage gewidmet. Sie ist eine Reise in das Innere und stellte dröhnende Geräusche den Unhörbaren gegenüber.

Stille Plätze

Stille Plätze – Meine Fotoserie in lauter Stille

Vor einiger Zeit zog ich los, um in verlassenen Betriebsgebäuden zu fotografieren. Für mich haben aufgelassene Orte ein besonderes Flair. Ich spüre die vergessene Geschichte, die den Räumen inne wohnt. Ebenso genieße ich dabei den Flow, in den ich durch eine meist geräuscharme Atmosphäre gerate. Da es quasi keine Ablenkung von Außen gibt, kann ich mich ganz dem eigenen Sehen widmen. Ich habe mir die Frage gestellt, ob Stille ein Zustand von fehlenden Geräuschen ist oder sie doch eine gewisse Lautstärke hat. In meiner Fotoserie “Stille Plätze” geht es genau darum. Ist Stille einfach das Fehlen von akustischen Tönen oder doch ein kraftvoller wie lauter Zustand in reduzierter Umgebung.

Wie hört sich Stille für dich an?

Laut oder leise? Was hörst du auf diesen Bildern?

Stille PlätzeIch glaube, jeder Mensch nimmt Bilder auf seine eigene Weise wahr. Fotografien lichten einen winzigen Moment der Zeit ab. Wie steht es also um deine Gefühle, die du beim Betrachten dieser Bilder empfindest? Rein optisch betrachtet zeigt die Serie “Stille Plätze” scheinbar verlassene Orte ohne Inhalt. Nur ein paar Hinterlassenschaften erinnern daran, dass hier einmal das Leben seine Lauf nahm. Es muss Geräusche gegeben haben. Der Raum wird von Menschen erfüllt gewesen sein. Irgendetwas ist hier passiert. Zurückgeblieben sind einzelne Fragmente einer vergessenen Zeit. Nur wenige Geräusche sind jetzt noch hörbar. Dies bedeutet jedoch nicht, dass keine Lautstärke auf den Bildern zu erkennen ist. Was also hörst du, wenn du die Bilder betrachtest?

Für mich spiegelt meine Fotoserie “Stille Plätze” die eigene Seele in all ihren Facetten wieder. Sie ist eine Darstellung unserer modernen Zeit voller Reizüberflutungen. Bewege ich mich durch die Stadt, so werde ich ständig abgelenkt. Sausende Menschen, Werbung, Beschallung, ja sogar Geschrei. Verschiedene Möglichkeiten der Selbstwahrnehmung sind daher gehemmt. Es ist schier vergeblich, den eigenen Emotionen Platz zu geben. Auf den Fotografien zeichnet sich für mich ein bestimmter Zustand der persönlichen Gefühlswelt ab. Wer bin ich hier? Warum bin ich hier? Was will ich hier? Diese Fragen hallen in der Stille. Sie erzeugen eine gewaltige Explosion an Geräuschen. An diesen stillen Plätzen existieren völlige Ruhe und massive Überflutung in ungeheurer Lautstärke. Es ist die eigene Seele die mit mir spricht und Gedankenströme auslöst.

Laut und Leise. Harmonisch miteinander verbunden.

Stille Plätze – auf Streifzug durch verlassene Orte

In meinem Kopf geht es recht turbulent zu. Durch die Essstörung, Depression und DIS schaffe ich es kaum, meine negativen Gedanken auszuschalten. Mir fällt es unglaublich schwer, mich an Orten aufzuhalten, an denen viele Menschen sind. Ich lebe eher zurückgezogen und genieße es, für mich zu sein. Durch diese Tatsachen ist die Idee zu “Stille Plätze” entstanden. Ziellos zog ich los, um Plätze zu suchen, an denen Ruhe herrscht. Viele habe ich gefunden und fotografisch abgelichtet. Es waren allesamt verlassene Lagerhallen bzw. Betriebsgebäude. Die meisten davon existieren nicht mehr. Genau darin liegt für mich der Reiz für diese Art der künstlerischen Fotografie. Abzulichten was ist und schon bald nicht mehr sein wird. Genau wie das Leben. Eine ständige Bewegung, erfüllt von Neuerungen, Vergangenheiten und Momenten im Hier und Jetzt.

Impressionen

Lange Rede und viel Sinn. Jetzt liegt es an dir, dich von den Bildern berühren zu lassen. Was hörst du?

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