Männer mit Essstörung – Tabuisierte Randgruppe + Unterschiede zu Frauen

Essstörung bei Männer
Über Essstörungen bei Männern wird in der Öffentlichkeit kaum gesprochen. Das “starke Geschlecht” bleibt vor der Erkrankung aber nicht verschont. Obwohl bereits rund 10 – 15 % aller Betroffenen männlich sind, wird das Thema nach wie vor tabuisiert. In diesem Beitrag möchte ich euch einen Einblick über die Essstörung bei Männer geben und ein paar Krankheitsunterschiede zu Frauen zeigen.

Männer mit Essstörung – Laut Statistik eine Randgruppe

In den letzten 20 Jahren sind die Fälle von Essstörungen um mehr als das 10-fache gestiegen. Die Gründe liegen im gesellschaftlichen Wandel sowie durch Medien geprägte Schönheitsideale. In der Öffentlichkeit gelten Essstörungen nach wie vor als weibliche Domäne. Der prozentuale Anteil an Männern wird auf etwa 10 – 15 % geschätzt, obwohl von einer weit höheren Dunkelziffer ausgegangen werden kann.

Männer sollten sich nicht wegen einer Essstörung schämen! Das “starke Geschlecht” ist genauso gefühlvoll wie Frauen.

Unterschiedlicher Krankheitsverlauf der Essstörung bei Männern

Essstörungen bei MännerFrüher galt die Essstörung als reine Frauenkrankheit. Angeblich litt bereits Kaiserin Sissi daran, wog sie doch selten mehr als 50 kg bei einer Körpergröße von 172 cm. Wie weit diese These tatsächlich stimmt, ist nicht belegt.

Durch soziokulturellen Wertewandel sowie geänderten Schönheitsidealen ist die Essstörung Thema bei Männer. Ausschlaggebend sind geänderte Rollenbilder bzw. das Fehlen von Identifikationsfiguren. Ebenso die Idealisierung eines athletischen wie leistungsfähigen Körpers begünstigt die Krankheitsentstehung. Ein kurzer Blick in Beautymagazine wie Men’s Health, GQ oder gar Beef! macht dies deutlich.

Auslöser von Essstörungen bei Männer

Primär entwickeln sich Essstörungen in der Pubertät. Bei Männer ist die Ausgangssituation etwas differenziert. Das “starke Geschlecht” rutscht meist durch das Anstreben eines Idealkörpers hinein. Vielmals beginnt die Krankheit durch exzessiven Sport, um einen entsprechenden Körper zu formen. Schleichend entwickelt sich eine restriktive Ernährungsgewohnheit mit dem Ziel, das Gewicht zu verringern. Persönlichkeitsmerkmale wie Perfektionismus, Konkurrenzdenken, Disziplin und Askese stehen in engem Zusammenhang.

Krankheitsverlauf bei Männer

Der Verlauf einer Essstörung ist bei Männer meist drastischer. Häufig wird die Krankheit zu spät als solche erkannt und lange Zeit versteckt. Sie wird sehr lange tabuisiert. Zusätzlich besteht ein großes Schamgefühl, sich eine “weibliche” Erkrankung eingefangen zu haben. Ebenso körperliche Schäden können durch extreme Sportbelastungen weit stärker ausgeprägt sein. Nährstoffmangel, Störungen im Elektrolythaushalt und ein möglicher Substanzmissbrauch sind bei Männern weit häufiger anzufinden.

Diagnose einer Essstörung bei Männer

Für Männer ist die Diagnostik schwieriger als bei Frauen. Durch das klischeehafte Bild vom Mann wird die Krankheit nur allzu gerne tabuisiert. Ebenso verbinden Ärzte die Essstörung mit einer Frauenkrankheit. So dauert es meist viel länger, bis Hilfe gesucht und auch angeboten wird. Die Therapie wird umso schwieriger, je länger zugewartet wird. Besondere Relevanz kommt hier der Sportmedizin zu, denn die Essstörung kann stark mit exorbitanten Leistungsstreben verknüpft sein.

Heilungschancen bei Männer mit Essstörung

Essstörungen bei MännerEssstörungen weisen die höchste Sterblichkeitsrate bei psychischen Erkrankungen auf. Unterschiedliche Quellen geben einen Wert zwischen 10 und 20 % an. Eine gänzliche Genesung bzw. Überwindung schaffen nur rund 40 %. Die verbleibenden 60 % werden jahrelang sorgsam mit sich und dem Verhalten umgehen lernen müssen. Bei Männer besteht eine starke Komorbidiät, weshalb Essstörungen viel drastischer verlaufen. Hilfe wird meist erst dann in Anspruch genommen, wenn man sich bereits sehr tief im Teufelskreis befindet. Dennoch soll die Krankheitsbewältigung bei Männern günstiger sein. Dies wird vor allem auf die Selbstdisziplin zurückgeführt.

Warum Essstörungen bei Männern noch immer tabuisiert werden

Dass Männer auch an einer Essstörung erkranken können wird in der Öffentlichkeit noch immer tabuisiert. Dem liegt das Verhalten zugrunde, das Hilfe erst viel später in Anspruch genommen wird. Folgende Punkte begünstigen dieses Phänomen:

  • Klischeehaftes Rollenbild vom Mann in der Gesellschaft.
  • Veränderte Schönheitsideale in den Medien.
  • Das Präsentieren des eigenen Körpers in sozialen Netzwerken.
  • Körperliche Fitness steht im Vordergrund.
  • Persönlichkeitsmerkmale wie Perfektionismus, Schüchternheit und extremes Leistungsstreben begünstigen die Essstörung bei Männern.
  • Mangel an qualifizierten Therapeuten für Männer.
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