Die Waage bei Magersucht – (K)eine gute Idee + hilfreiche Tipps

Bei Magersucht dreht sich alles um das Körpergewicht. Die Waage fungiert als mächtiges Instrument. Soll man sie wegschmeißen oder doch behalten? Heute verrat ich dir, ob sie eine Notwendigkeit ist und gebe dir ein paar hilfreiche Tipps.

Magersucht – Ein Leben für die Waage

WaageDie meisten Magersüchtigen kennen den “Feind” nur allzu gut. Es ist die Waage. Die Gedanken kreisen ständig um das eigene Körpergewicht. Bevor die Krankheit bei mir ausgebrochen ist, habe ich eigentlich nie mein Gewicht kontrolliert. Zu einer Zeit in der ich sehr sportlich war, hat es dann begonnen. Anfangs diente die Waage als Art Orientierung. Es ging mir vorerst gar nicht darum, an Gewicht zu verlieren. Durch das körperliche Training reduzierte es sich auf natürliche Weise. Irgendwann kam dennoch der Punkt, an dem es unbequem wurde. Veränderungen, egal ob nach oben oder unten, fühlten sich unnatürlich an. So geschah es, dass ich mich fortan mehrmals täglich wiegen musste. Dies war auch jene Zeit, zu der ich eine Gewichtszunahme als Versagen spürte. Damals war mir selbst gar nicht bewusst, dass ich mich bereits im Strudel der Magersucht befand. Schließlich war ich mit meinem BMI im absoluten Normalbereich, leistungsfähig und hatte keine Einschränkungen. Schlussendlich wurde die Waage aber zum regelmäßigen Begleiter und guten “Freund”, Ab diesem Moment, es war mir lange Zeit gar nicht bewusst, ging es leider kontinuierlich abwärts.

Eine Zahl, die sehr mächtig ist

Im Grunde ist es ja wirklich “nur” eine Zahl. Pixel auf einem Display. Doch diese hat alle Magersüchtigen fest im Griff. Der ganze Tag dreht sich darum. Aus Erfahrung weiß ich, auf einer logischen Ebene natürlich, dass mein Gewicht niemals passen wird. Lange Zeit habe ich mich morgens täglich gewogen. Selbstverständlich nicht ohne vorher auf der Toilette gewesen zu sein. War die Zahl kleiner als am Vortag, fühlte es sich wie ein kleiner Erfolg an. Gleichbleibend oder gar gestiegen kam sofort ein starkes Versagensgefühl in mir hoch. Hier geht es allerdings nicht um Kilos, sondern um 100g mehr oder weniger. Ein echter Teufelskreis.

Waage behalten oder wegschmeißen?

WaageIch kenne kaum jemanden mit Magersucht, der keine Waage zuhause hat. Schließlich ist sie der Indikator, welcher die Anorexie befeuert. Wenn man in einem Haushalt mit mehreren Personen lebt und die Krankheit noch nicht so offensichtlich ist, dann kann es schwierig werden, sich der Waage zu entsagen. Betroffene versteckten die Magersucht, so lange es geht und teilen sich Angehörigen in nur sehr wenigen Fällen zu Beginn offen mit. Es ist in diesem Fall also eher unrealistisch, dass die Waage aus der Wohnung verbannt wird. Lebt man alleine bzw. ist die Magersucht offenkundig, dann ist die Entscheidung leichter zu treffen.

Ich gestehe, dass ich natürlich eine Waage besitze. Sogar eine smarte, die mit einer App alle Daten speichern kann. Bisher hat sie den Umzug in den Keller verweigert. Es gab Zeiten, zu denen ich mehrmals täglich mein Gewicht kontrollierte. Dies resultierte immer in Unwohlsein, Schuld- wie Versagensgefühle. Nutzlos eben, da meine Magersucht dadurch nur stärker wurde. Irgendwann hab ich es geschafft, mich nicht mehr täglich zu wiegen. Natürlich ist der Drang auch heute immens groß. Kognitiv kann ich mir allerdings bereits klar machen, dass es mir nicht gut tut, wenn ich über mein Gewicht Bescheid weiß. Wozu also die Waage behalten?

Meine persönliche Empfehlung lautet deshalb: Waage entsorgen bzw. zu verräumen. Das Wiegen sollte nur in Verbindung mit dem regelmäßigen Gang zum Haus- oder Facharzt vonstattengehen. Dadurch vermeidet man unnötigen Stress. Diesen Schritt sollte man erst dann erwägen, sobald man den Kampf gegen die Magersucht aufgenommen hat. Mir ist bewusst, dass zu Beginn der Krankheit dies utopisch erscheint oder es gefährlich sein kann. Sinkt das Körpergewicht zu tief und hat man keinen ärztlichen Rückhalt, wird es lebensbedrohlich. So gesehen kann das Wiegen auch seinen Sinn haben. Trotzdem sollte das Ziel immer sein, sich von der “geliebten” Waage zu trennen. Es macht den Alltag einfacher und nimmt eine gewisse Last von den Schultern.

Hilfreiche Tipps für den Kampf mit der Waage bei Magersucht

WaageHier habe ich dir ein paar Tipps zusammengestellt, die dir den Alltag etwas erleichtern können. Auch wenn die Waage scheinbar das wichtigste Gerät für dich darstellt, so unterstützt sie doch wieder nur die Abhängigkeit. Ich weiß, dass diese Tipps leicht gesagt sind, denn auch ich kämpfe Tag für Tag gegen meinen inneren Schweinehund. Trotzdem können sie dir den Umgang mit Magersucht etwas erleichtern.

  • Vermeide übermäßiges Wiegen. Dies bringt nur Stress und verstärkt das Versagensgefühl. Wenn du dich zuhause wiegen “musst”, dann vereinbare zumindest fixe “Termine” mit dir selbst.
  • Wiege dich nur zu festgesetzten “Terminen”. Am besten beim Haus- oder Facharzt.
  • Mache dir auf kognitiver Ebene klar, dass es “nur” eine Zahl ist. Egal was die Waage zeigt, am Ende wird die Nummer (meist) nicht “passen”.
  • Versuche, langes Grübeln durch Ablenkung zu unterbinden.
  • Auch wenn es sehr schwierig ist: gestalte deinen Tag nicht nach deinem tagesaktuellen Gewicht. Vergiss die Waage und plane stattdessen am Vorabend verbindlich deinen nächsten Tag. Dadurch hast du Struktur und kannst dich besser orientieren.
  • Smarte Waagen können per App deine Gewichtsdaten speichern. Vergiss das gleich, denn es triggert dich noch mehr, ständig dein Gewicht überprüfen zu müssen.
  • Verbanne deine Waage in den Keller. Regelmäßige Gewichtskontrollen gemeinsam mit deinem Arzt reichen im Normalfall aus.
  • Wenn du dich aufgrund zu geringen Körpergewichtes im lebensbedrohlichen Bereich befindest, unbedingt eine Klinik aufsuchen.
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